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EMSA - Plastic

Text / Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft - Erstveröffentlichung im Sammlermagazin "TRÖDLER", Heft 10 / 2012

Gegen Ende der 1950er Jahre startete in den deutschen Haushalten der Siegeszug der Kunststoffe. „Moderne Formen, moderne Farben“ versprach seinerzeit der Emsdettener Hersteller Emsa, dessen Produkte mittlerweile zu Klassikern der Alltagskultur avancierten.

 

 Salatschalen, Durchmesser 15, 19 und 23cm

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ lautet ein häufig zitierter und wohl noch häufiger in abgewandelter Form zu entdeckender Satz der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein. Und möglicherweise hatte auch Klaus Euler, Verfasser eines 1959 erschienenen Büchleins mit dem Titel „Hausrat aus Plastic“, diese Zeile im Hinterkopf, als er in seiner Betrachtung über die zeitgenössische Produktion von Kunststofferzeugnissen zu einem geradezu philosophisch anmutenden Fazit kam: „Aber am Ende bleibt eine Schüssel eben eine Schüssel“. Vorausgegangen war dieser Erkenntnis eine Bestandsaufnahme der „Plasticartikel am Markt“, denen in den ausklingenden 50er Jahren eine stetig steigende Bedeutung zukommt. Kunststoffe finden in immer mehr Bereichen Verwendung, „groß ist der Verbrauch von Kunstlederartikeln, von Schläuchen und Folien im Bauwesen und in der Elektrotechnik, Haushaltsartikel aber stellen die stärkste Warengruppe.“ Die Umsätze der Branche erleben atemberaubend hohe Zuwachsraten und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass immer mehr Firmen versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen und daher insbesondere „der Markt für Haushaltswaren aus Kunststoff als mannigfaltig und weit verzweigt“ bezeichnet werden kann. Anlässlich der „Internationalen Hausrat- und Eisenwaren-Messe“ in Köln widmet 1958 das Fachmagazin Die Schaulade daher „formschönem Hausrat“ aus Plastik mehrere Seiten und bilanziert: „Die ständige Verstärkung des Angebotes in Kunststofferzeugnissen setzt sich auch in diesem Frühjahr fort. Noch vor wenigen Jahren war diese Gruppe unbedeutend; im vergangenen Jahr zählte sie bereits 61 und auf der diesjährigen Frühjahrsmesse wird sie 90 Firmen vereinigen.“ Bedingt durch die große Anzahl der Hersteller „gibt es eine Fülle von Artikeln, die dem gleichen Zweck dienen. Eine Schüssel ist sicher nicht jeder anderen gleich. Die eine ist aus Polyäthylen, die andere aus Polypropylen, die eine ist höher, die andere tiefer oder weiter im Durchmesser“, beschreibt wiederum Klaus Euler, selbst eine feste Unternehmergröße auf diesem Produktionsgebiet (Vitri-Plastic), die damaligen Verhältnisse, um schließlich zum eingangs angeführtem „Schüssel bleibt Schüssel“ - Resümee zu kommen.

 Obst- und Salatschale, Art.Nr.235, 15cm DM 1,50, 19cm DM 2,40, 23cm DM 3,75

Wer sich jedoch heutzutage auf Designbörsen, Trödel- und Antikmärkten oder im Internet auf die Suche nach entsprechenden Relikten aus dieser Zeit begibt, wird feststellen, dass Schüssel dann offenbar doch nicht gleich Schüssel war. Zieht nämlich der aufmerksame Beobachter aus der Häufigkeit, mit der solche mittlerweile ein halbes Jahrhundert alten Gebrauchsobjekte aus Kunststoff noch zu finden sind, Rückschlüsse auf damalige Verkaufszahlen, scheinen die Erzeugnisse der Emsdettener Firma Emsa zu Beginn der 60er Jahre die Kaufbereitschaft der Zeitgenossen in ganz besonderem Maße angeregt zu haben.

 Salatschale mit Salatbesteck, 2-farbig, 24cm lang, Art.Nr.198,  DM 1,80

1949 in Greven unter dem Namen Franz Wulf & Co. Plasticwarenfabrik gegründet, landet der Betrieb bereits 1953 mit seinem mittlerweile legendären Tropfenfänger für Kaffeekannen einen ersten großen Kunststoff-Verkaufsschlager: Ein Schaumgummiröllchen, das mit Hilfe eines zwischen Kannentülle und -henkel gespannten textilumwickelten Gummibandes am tropfgefährdeten Tüllenausgang zu befestigen war, sorgte dafür, dass während des Sonntagnachmittäglichen Kaffeetrinkens die frisch gestärkte und gebügelte blütenweiße Tischdecke nicht länger durch nachtropfenden Kaffee verunziert wurde. Gleichzeitig war durch diese Vorrichtung der Kannendeckel fixiert und konnte nicht mehr so leicht herunterfallen. Den optischen Clou des Ganzen bildete ein an dem Spanngummi befestigter Plastik-Schmetterling, der in diversen unterschiedlichen Pastellfarben erworben werden konnte.

 Tropfenfänger "Schmetterling"

In den folgenden Jahren wächst die Plasticwarenfabrik so stark, dass 1956 ein Umzug vonnöten wird. Im neuen Firmengebäude in Emsdetten werden zudem Artikel für den „Blumenbedarf“ hergestellt. Als besonderer Renner erweisen sich dabei „Übertöpfe aus Weichplastic“ mit „apartem Filigran-Muster“, die in den Farben „elfenbein, kupfer und messing“ zu haben sind und die Töpfe zeittypischer Zimmerpflanzen wie Usambaraveilchen, Sanseviera und Geldbäumchen verschönern helfen. Wer es etwas peppiger haben wollte, konnte auf den in den „modernen, ansprechenden Pastellfarben gelb, blau, rosa, hellgrau und elfenbein“ lieferbaren „beliebten Blumenziertopf Liane“ zurückgreifen, dessen „elegantes Streifenmuster“ laut damaliger Werbung „in den neuen, freundlichen Farben besonders wirkungsvoll ist. Die gut gewählte Form mit ihrer klaren, einfachen Linienführung entspricht der heutigen Wohnkultur.“ Erkennungszeichen dieser „ansprechenden und gut verkäuflichen Blumenübertöpfe“ ist „ein goldfarbiger Zierring“. Über weitere Neuheiten der stetig wachsenden Produktpalette informieren regelmäßige Anzeigen im „Journal für Porzellan, Glas, Keramik, Hausrat“ Die Schaulade, so zum Beispiel über einen „Kakteenhocker in den Farben elfenbein/schwarz, gelb/schwarz, rot/schwarz aus Plastic“, ein „Blumenbesteck aus Plastik im Geschenkkarton“ inklusive „Schere und Schäufelchen“, einen „Plastic Kaffeewärmer“ oder eine „Plastic Autovase“.

Ab 1958 bietet die Firma ihr Sortiment unter dem Warenzeichen „EMSA Plastic“ an, wobei sich der Name ganz einfach auf den Firmensitz Emsdetten und den Fluss Ems bezieht.

                                     
EMSA Plastic - Händlerinormationen, um 1958
 

"Die modernen Blumentöpfe mit dem eleganten Streifenmuster"

 

"Übertöpfe aus Weichplastic mit apartem Filigran-Muster" - "Die beliebten Blumenziertöpfe"

Zwei Jahre später gelingt dann mit der „Tischserie“ ein ganz großer Wurf. In ansprechenden Verkaufskartons im rot-weißen Streifendesign, das die reiselustigen Bundesbürger an südländische Markisen und Italienurlaub erinnert haben mag, offeriert Emsa von der Käseglocke über Geleedosen, Tischbutterdosen, Milch- und Sahnekännchen, Salz- und Pfefferstreuer, Eierbecher samt passenden Löffeln bis hin zur Eieruhr „ein gut durchdachtes, abgerundetes Sortiment“ für den gedeckten Tisch, dessen „hoher Gebrauchswert jede Hausfrau anspricht“. „Moderne Formen – moderne Farben“ oder „farbenfroh – formschön“ verheißen die Aufdrucke auf den Schachteln und der Inhalt hält in den allermeisten Fällen, was die Verpackung verspricht. Die Serie ist nicht nur schön, sondern kommt auch zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt. Wenige Jahre zuvor haftete den Kunststoffen nämlich im allgemeinen noch ein recht negatives Image an, weil sie in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aufgrund des seinerzeit herrschenden Rohstoffmangels in vielen Bereichen als Ersatzstoffe herhalten mussten und diese Aufgabe – z.B. als Ersatz für Metall – natürlich nicht immer in befriedigender Art und Weise erledigen konnten. Falsche Handhabung der im Umgang mit dem neuen Material noch weitestgehend unerfahrenen Deutschen wie das Abstellen auf heißen Herdplatten oder das zu starken Kratzern führende Reinigen mit Scheuersand tat ein übrigens, um den einmal erworbenen schlechten Ruf weiter zu festigen. Zudem waren einige der Kunststoffarten von der Zusammensetzung her längst nicht so ausgereift und daher bei weitem noch nicht so widerstandsfähig, wie man dies in unseren Tagen gewohnt ist. Mitte der 50er hat die bundesdeutsche chemische Industrie jedoch viele der Kinderkrankheiten in den Griff bekommen und ist in der Lage, den Kunststoff verarbeitenden Betrieben qualitativ hochwertige Ausgangsprodukte zu liefern, so zum Beispiel für die Fertigung von pflegeleichten Kunststoffbeschichtungen für Küchenschränke. Vorzugsweise eingefärbt in den zeittypischen Pastellfarben, sind diese nicht nur schön anzuschauen, sondern verschaffen den Hausfrauen zudem eine spürbare Arbeitserleichterung beim Putzen. Auch bunt bedruckte Plastikfolien, die als dekorative Vorhänge oder strapazierfähige, leicht zu reinigende Bezüge für Sitzmöbel Verwendung finden, erfreuen sich schnell steigender Beliebtheit und tragen sicherlich nicht unerheblich dazu bei, das Urteil der Verbraucher in eine positive Richtung zu lenken. Nicht zu unterschätzen sind diesbezüglich sicherlich auch die umfangreichen gemeinschaftlichen Werbebemühungen der Hersteller. In Zeitschriften wie Constanze und Film und Frau oder in den seinerzeit sehr gerne gelesenen Ratgeberbüchern finden sich regelmäßig Artikel über die vielfältigen guten Eigenschaften und insbesondere über die richtige Behandlung der Plastikartikel, für die von Seiten der Industrie inzwischen der für damalige Ohren modern klingende Name „Plastics“ propagiert wird, um endgültig von der gedanklichen „Kunststoff gleich Ersatzstoff“ - Verbindung wegzukommen. Der Erfolg all dieser Anstrengungen lässt schließlich nicht auf sich warten: Geradezu euphorisch angepriesen werden Haushaltsartikel aus Plastik beispielsweise im Quelle-Katalog aus dem Jahr 1960, dessen Inhaltsverzeichnis mittlerweile eine eigene Unterabteilung für „Plasticartikel“ aufweist: „Plastic für die moderne Küche – Die Hausfrauen sind begeistert!“ Selbst die noch vor kurzem verpönte Bezeichnung „Kunststoff“ scheint derweil positiv belegt zu sein, wirbt doch die Möbelfabrik Gebrüder Leicht für ihre „modernen Anbauküchen“ sogar mit dem Hinweis, dass diese „jetzt in „echtem“ Kunststoff“ zu haben sind.

Günstige Vorraussetzungen also für die Firma Emsa zur Einführung ihrer „Tischserie“, deren einzelne Komponenten überwiegend zweifarbig, d.h. außen in einer anderen Farbe als innen daherkommen

Frühstücks-Garnitur im Geschenkkarton, Art.Nr.164, DM 5,70

und somit voll im Trend der Zeit liegen. Vorreiter für diese Art der Farbgebung waren wohl nicht zuletzt die 1954 vorgestellten, außen in schwarz und innen im reizvollen Kontrast dazu in rot, hellblau, mint, rot-orange, gelb und anderen Farben gestalteten „Krenit“- Schüsseln des dänischen Designers Herbert Krenchel aus emailliertem Stahlblech, die durch ihre aufwendige Herstellung und entsprechend hohe Preise seinerzeit aber sicherlich nur etwas für einen überschaubaren Käuferkreis waren. Zum Ende der 50er hin erfreuen sich zweifarbige Trink- und Essgeschirre insbesondere aus Keramik und Porzellan jedoch zunehmender Beliebtheit und sind in vielerlei Ausführungen und Preisstufen sowohl in den Lieferprogrammen renommierter deutscher Hersteller wie Hutschenreuther, Villeroy & Boch oder Cortendorf als auch, in Gestalt markenloser Kaufhausware, in damaligen Versandhauskatalogen zu entdecken, ergänzt wird dieses Angebot nun in steigendem Maße durch entsprechende Erzeugnisse aus Kunststoff.

 

Zielgruppe für den Kauf der Plastics sind offenbar vor allem junge Menschen. Kunststoff „passt sehr viel besser in einen modernen Haushalt als in einen altmodischen oder konservativen“ empfindet zum Beispiel Haus und Heim – die „Monatsschrift für moderne Hauswirtschaft und Wohngestaltung“. Überhaupt ist „modern“ das am häufigsten im Zusammenhang mit den Plastikwaren gebrauchte Attribut. Denn mittlerweile wächst eine Generation heran, die sich immer weniger mit den Idealen und Wertvorstellungen der Eltern identifizieren kann, die sich in den auf Repräsentation ausgerichteten, dunklen, vielfach noch im Stil der 30er Jahre und im „Gelsenkirchener Barock“ eingerichteten Wohnungen nicht mehr wohl fühlt und für die deshalb ganz besonders die farbenfrohen „Plastics“ für die Küche in Form von Schrankfronten, Vorhängen und eben Haushaltswaren „wie gemacht“ erscheinen. Farbe zieht ein in die bundesdeutschen Wohnungen und Emsa hat sich darauf eingestellt. „Ausgewählte Farben schaffen eine freundliche und lebendige Atmosphäre“, verspricht die Firmenwerbung und nahezu alle Produkte sind folglich in mehreren verschiedenen Farbvarianten lieferbar. So hat der Kunde im Jahr 1960 beispielsweise bei einer aus „Tischbutterdose, Geleedose und Menage“ bestehenden Tischgerätegarnitur die Qual der Wahl zwischen gelb, blau und rubinrot, beim Kauf von „Zierschalen“ aus transparentem Kunststoff muss er sich zwischen rubinrot, blau, flaschengrün und violett entscheiden. Oder er kauft gleich alles zusammen in einem „farbig sortierten“ Geschenkkarton.

 Tischgerätegarnitur, Art.Nr.161, DM 5,25

    

Tischbutterdose, Art.Nr.105, DM 1,95 und Geleedose, Art.Nr.115, DM 1,80

 

 Margarinedose, Art.Nr.106, DM 1,80, Geleedose, Art.Nr.115, DM 1,80

Längst nicht so experimentierfreudig wie bei den Farben geben sich die Bundesbürger in punkto Design. Stellvertretend für Otto Normalverbraucher sinniert ein fiktiver Einkäufer mit dem Namen „Herr Schmidt“ im bereits erwähnten „Hausrat aus Plastic“ über damalige Auswüchse auf diesem Gebiet: „Ich sah in einem Laden ein Salatbesteck aus Kunststoff, das mich an einen aus Versehen verkochten Polystyrollöffel erinnerte. Wird hier nicht zuviel getan, da doch so viele althergebrachte Formen vorhanden sind, die sich bewährt haben?“ - Und so erfinden die Formgestalter bei Emsa das Rad nicht neu, sondern verbinden die Forderungen industrieller Formgebung nach Zweckmäßigkeit mit der Ästhetik gängiger zeitgenössischer Stilelemente oder orientieren sich, wie im Falle eines Milchkruges mit Trinkbechern, ganz offensichtlich an bereits auf dem Markt erprobten Vorbildern aus der Keramikabteilung.

 Emsa-super Milchkrug, Art.Nr.336, DM 4,5, Milchbecher, Art.Nr.335, DM 0,90

Aber gerade hierin liegt wiederum ein anderes, grundsätzliches, weil geschmackliches Problem. Denn mit Plastik andere Materialien zu imitieren, ist nicht erst seit heute verpönt, sondern führt schon damals zu heftiger Kritik, so zum Beispiel im Januar 1961 in der FAZ – Beilage „Die Frau“: „Viele Dinge werden heute aus Kunststoff fabriziert und mit beredter Werbung angeboten, die in einem „natürlichen“ Werkstoff bereits ihre vollkommene Form gefunden und sich mit besten Eigenschaften bewährt haben. Das gilt für so gut wie alle Porzellan-, Glas-, Ton- und auch Holzgefäße, die man in Plastikmasse mehr oder weniger nachahmt. Es geht bei der Frage nach einer eigenen Ästhetik des Kunststoffs“ vor allem darum, „ob man – außer fürs Camping – überhaupt Tassen, Schalen, Teller, ganze Tafelgeschirre und „Gläser“ aus Plastikmasse herstellen soll.“ In die gleiche Kerbe schlägt die Zeitschrift Haus und Heim: „Das Anwendungsgebiet von Kunststoffen ist bereits so im Wachsen begriffen, dass man von unserer Zeit als vom „Zeitalter des Kunststoffes“ spricht. Diese neuen Kunststoffe besitzen gleichzeitig auf sich vereint viele gute Eigenschaften, die den natürlichen Werkstoffen nicht eigen sind. Gerade diese Vielseitigkeit hat dazu geführt, die Zahl der Gebiete, in denen sie verwendet werden, immer weiter zu vergrößern und zu versuchen, die natürlichen Werkstoffe zu verdrängen. So sind die Kunststoffe bereits zu den großen „Verführern“ geworden…Dem Aufgabenbereich des Kunststoffs sind vom Verbraucher her aber Grenzen gesetzt. Seine Verwendung ist lediglich in einem neutralen, unpersönlichen Bereich angebracht.“. „Der Verbraucher“ selbst jedoch scheint sich in den 60er Jahren um solche geschmacklichen Dünkel nicht groß zu kümmern, ihm gefallen die farbenfrohen, pflegeleichten und nahezu unzerbrechlichen Leichtgewichte aus Kunststoff auch in seinem ganz persönlichen Bereich, so zum Beispiel auf seinem Esstisch.

 Emsa-super Milchkrug, Art.Nr.336, DM 4,5, Milchbecher, Art.Nr.335, DM 0,90

Ein nicht geringer Anteil am Erfolg von Franz Wulfs „Plasticwerk“ ist sicherlich dem Umstand zu verdanken, dass „Emsa“ mittlerweile als Marke etabliert ist und sich dadurch bei den Konsumenten einen Vertrauensvorschuss erworben hat. Aufgrund der lukrativen Verdienstmöglichkeiten tummeln sich nämlich diverse schwarze Schafe auf dem Markt, die um eines hohen Umsatzes willen Billigware minderer Qualität anbieten und dadurch den mittlerweile stark verbesserten Ruf der Plastikartikel erneut ins Wanken bringen. „Der Verbraucher hat noch nicht gelernt, Unterschiede zu machen und schließt leicht von einem schlechten Kunststoffartikel auf alle anderen, um sie dann als minderwertig abzulehnen - die Marke hingegen bürgt für Qualität“, erfährt man diesbezüglich vom bereits zuvor zitierten „Herr Schmidt“ und Wilhelm Euler, Vorstandsmitglied des Gesamtverbundes Kunststoffverarbeitender Industrie, appelliert – in zeittypisch pathetischem Sprachklang - an die Solidarität aller Beteiligten: „Das Königreich der Kunststoffe ist wahrlich ein Wunderland – ein Wunderland in der Leistungsfähigkeit der Materialien bei entsprechend richtigem Einsatz und Gebrauch…ein Wunderland jedoch nicht für die, die durch leichte Fabrikation und leichten Verkauf schnell reich werden wollen. Die Branche braucht verständnisvolle Abnehmer, die ihr eigenes Interesse auch darin erkennen, zufriedene Kunden durch immer bessere Qualität zu besitzen.“ Und um nicht auf Minderwertiges und auch nicht auf „sklavische Nachahmungen ostzonaler Hersteller“ hereinzufallen, greifen in der Tat viele Konsumenten vorzugsweise zu den Markenartikeln damaliger Firmen wie, um nur einige zu nennen, Kayser, Buchsteiner, Bolta, Max Richter (Vitri), Gerdes & Co. (Gerda Plastic), Hünersdorff, Schumm, oder eben Emsa. Das Emsdettener Unternehmen ist sich der Verkaufsfördernden Wirkung seines guten Leumunds natürlich bewusst und daher bestrebt, dies mit Losungen wie „Emsa Plastic – das gute Markenerzeugnis“ auch in die Werbung einfließen zu lassen

Offensichtlich mit Erfolg, denn 1962 wird die „Tischserie“ um das „Emsa-Super“-Programm erweitert. In der Juli-Ausgabe der Schaulade ist „das moderne Geschirr aus Luran“ erstmals zu entdecken.

 Emsa-super - "das moderne Geschirr aus Luran"

 

 Emsa-super Sahnesatz, Art.Nr.62, DM 4,50

Die Farben sind kräftiger geworden, die Formen sachlicher und der von der BASF entwickelte Kunststoff Luran (aus dem übrigens anfänglich auch der legendäre, nach seinem Designer Verner Panton bezeichnete „Panton Chair“ gefertigt wurde) ist unempfindlicher gegen Wärmeeinwirkung und Kratzer. Darüber hinaus kommen auch die von Emsa produzierten Campingartikel bei den reisefreudigen Bundesbürgern gut an. -  Insgesamt hat die Marke mittlerweile einen solch hohen Bekanntheitsgrad erlangt, dass im Dezember 1964 der Einfachheit halber eine Umbenennung der Franz Wulf & Co Plasticwarenfabrik in Emsa-Werk vollzogen wird.

Emsa-super "Form 66 Dekor Derby"

Zum Ende der 60er Jahre jedoch scheinen die zu Beginn des Jahrzehnts noch so modern daherkommenden Formen und ganz besonders wohl auch die Farben nicht mehr auf der Höhe der Zeit zu sein. Beleg ist eine „Tischgeräte“- Variante in „knallorange“,

 Tischgerätegarnitur, Art.Nr.182, DM 9,90

die augenscheinlich einen veränderten Publikumsgeschmack bedienen sollte, aber trotz (oder vielleicht gerade wegen?) einer neu gestalteter Verpackung wohl kein Renner war, da sie heute nur mehr ausgesprochen selten zu entdecken ist. Im Gegensatz dazu noch sehr häufig zu finden - und somit seinerzeit vermutlich ein großer Verkaufserfolg - sind die völlig neu konzipierten Emsa Produktlinien der 70er Jahre. 1971 ändern sich sowohl das Logo („emsa“ in moderner Kleinschreibung in weißer Schrift auf rotem Punkt), das im Übrigen bis heute Gültigkeit hat, als auch das Produktdesign der Firma grundlegend.

Als besonders wohlgeraten erscheinen dabei aus heutiger Sicht einige, für Emsa-Maßstäbe ausgesprochen unkonventionell designte Elemente der „Party-Time“–Reihe, laut Werbung „Party-Helfer“ in Form von „Flaschenkühlern, Eiseimern, Partyschalen, Untersetzern und Bowlelöffeln“ und einsetzbar „für Parties, Feten, Feierabend – für Festlichkeit und Fröhlichkeit“.

 Party-Set, Art.Nr.1105, mit 6 herausnehmbaren Schälchen im modernen Design

 

                   
 Party-Time, Party-Set 1110    

 

 Knabberkugel, Art.Nr.1111, DM 3,95

 

               
Party -Time, Party-Jet-Set 1122    

 

Party - Time, Glasuntersetzter, Art. 0267

Nicht weniger gelungen waren sicherlich auch die neu gestalteten „Tischserien“, zumindest, wenn man den Begriff „gelungen“ darauf bezieht, dass der Geschmack der Zeitgenossen voll getroffen wurde. Im Rückblick jedoch mutet die sicherlich eher modische denn moderne Form- und Farbgebung der diversen, mit Städtenamen von Verona über Salzburg bis Budapest bezeichneten Reihen zumindest teilweise doch recht gewöhnungsbedürftig an und belegt, dass nicht alles, was orange ist und aus den 70ern stammt, auch zwingend sammelwürdig ist… Aufgrund des damaligen hohen Verbreitungsgrades besitzen die Stücke jedoch einen hohen Wiedererkennungswert und sind immerhin vorzüglich geeignet, die eine oder andere nostalgische Erinnerung zu wecken.

Design "Bologna"

 

 

 

 Geleedose, Design "Verona", Menage, "design 77"

Weil Emsa es mittlerweile weit über ein halbes Jahrhundert lang immer wieder aufs Neue geschafft hat, mit vielen seiner Produkten den jeweiligen Zeitgeist und damit den Geschmack der Käufer zu treffen, erfreut sich die Firma auch heute noch bester Gesundheit. Die spannende Frage, in wie weit die Erzeugnisse der 80er Jahre und der nachfolgenden Jahrzehnte das Potential zu „Klassikern der Alltagskultur“ haben, wird die Zukunft beantworten.

         
Schalen, 4 Stck. im Geschenkkarton, Art.Nr.179,  DM 3,60   Zierschale, 21cm, Art.Nr.180, DM 3,20, Schalen, 12cm, Art.Nr.178, 6 Stck. DM 4,80

 

Frühstücksgarnitur, im Geschenkkarton, Art.Nr.163, DM 3,45

 

               
Sahnesatz im Verkaufskarton, Art.Nr.130, DM 2,85   Kabarett, Art.Nr.118, DM 4,50, moderne Aufschnittplatte mit 3 farbenfrohen Schalen

 

Trinkbecher im Verkaufskarton, 9cm hoch, Art.Nr.168, DM 2,20

 

                 
Eierbechergarnitur, Tablettlänge 24cm   Eierlöffel, 6 Stck. farbig sortiert im Verkaufskarton, Art.Nr.192, DM 0,90

 

                 
Emsa Camping-Set, Art.Nr.1899, DM 29,50   Emsa-super Saftkrug, Inhalt 1,5 Liter, Art.Nr.815, DM 4,50

 

Bowlelöffel, 36cm lang, Art.Nr.185, DM 2,25

 

                 
     

 

Emsa-super Milchkrug, Art.Nr.336, DM 4,5, Milchbecher, Art.Nr.335, DM 0,90

 


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