Wirtschaftswunder
Bilder 50er Jahre
Bilder 60er Jahre
Ausstellungen
DDR
Impressum / Kontakt

 

Film und Frau

Text: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft - Veröffentlichung im SammlermagazinTRÖDLER KOMPAKT, Heft 9 / 2006

 Eine Flut von Frauenzeitschriften überschwemmt im Deutschland der Nachkriegszeit die sich neu formierende Presselandschaft und bedient Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche ihrer Leserinnen. Bei der aufwändig gestalteten Illustrierten "Film und Frau" handelt es sich ohne Frage um einen auch heute noch lesens- und vor allem sehenswerten Ableger dieses Genres.

Um neue Druckerzeugnisse auf den Markt zu bringen, bedürfen die Verlage in den ersten Jahren nach dem 2.Weltkrieg noch der Genehmigung durch die Besatzungsmächte. Da eine Erlaubnis für unpolitische Publikationen wie Strickmusterhefte oder Modezeitschriften vergleichsweise einfach zu bekommen ist und selbige auf großes Interesse stoßen, buhlt in den Regalen der Zeitungshändler bereits eine stattliche Anzahl entsprechender Magazine um Gunst und Geld der Leserschaft, als sich 1948 mit Film und Frau ein weiterer Anwärter hinzugesellt. Die 14-tägig im Hamburger Jahreszeiten-Verlag erscheinende großformatige Zeitschrift spricht durch ihre zentralen Themen "Kinofilme" und "Mode" eine recht große, überwiegend weibliche Zielgruppe an und hebt sich von der großen Schar der Mitbewerber bereits durch das gediegene, im hochwertigen Kupfer-Tiefdruck-Verfahren entstehende äußere Erscheinungsbild ab. Dieses erfährt eine weitere Aufwertung, als dem bis dahin monochrom bräunlichen Titelblatt mit einem ins Auge stechenden goldfarbenen "Film und Frau"-Emblem sowie einer ebenfalls goldunterlegten Schlagzeilen-Leiste am Fuß dieser Seite ein außergewöhnliches optisches Erkennungsmerkmal verpasst wird. Ein Hauch von Luxus prägt damit nicht nur den Titel, sondern ist auch innerhalb der redaktionellen Beiträge Programm. Ganz gezielt möchte man sich von der breiten Masse der Konkurrenz abheben und einen "gehobenen" Leserkreis ansprechen, der entweder bereits zur "etwas besseren Gesellschaft" gehört, sich ihr zugehörig fühlt oder zumindest Ambitionen hat, in diesen Kreis aufzusteigen.

                             

1949, Lil Dagover

 

1950, Marlene Dietrich

 

1952, Hildgard Knef

 

Ging es den Menschen in den ersten Jahren nach Kriegsende noch vorrangig um die Befriedigung lebenswichtiger Grundbedürfnisse und war man in weiten Teilen der Bevölkerung bereits zufrieden, ein Dach über dem Kopf und genügend zu essen zu haben, stellt sich für viele mit der Währungsreform im Jahre 1948 und dadurch wiedererlangter Kaufkraft eine gewisse Entspannung des täglichen Lebens ein. Zwar befindet sich eine allumfassende Normalisierung noch in weiter Ferne, da der Schub des vielzitierten Wirtschaftswunders erst gegen Ende dieses Jahrzehnts einsetzt. Doch mit dem zunehmenden Warenangebot in den Schaufenstern wachsen gleichzeitig auch die Wünsche der Konsumenten, weit oben in der Liste der Begehrlichkeiten steht der Kauf von Kleidung. "Aus alt mach neu" hieß bis dahin die Devise und mangels Material war Improvisation lange Zeit die alles bestimmende Notwendigkeit. Kleidungsstücke, die aus umgearbeiteten alten Uniformen, Vorhangstoffen, Fallschirmseide und Bettwäsche entstanden, waren vor allem auf Zweckmäßigkeit und Haltbarkeit ausgerichtet.

Als nun die Textilfabriken wieder in größerem Umfang die Produktion aufnehmen, setzt ein immenses modisches Nachholbefürfnis ein und im Jahr 1950 gibt die deutsche Durchschnittsfamilie 13,5 Prozent ihres Einkommens für Textilien aus. Die Entwürfe französischer Modeschöpfer, allen voran Christian Dior, bilden das Maß der Dinge, doch nur wenige Wohlhabende können sich seine Modellkleider der Haute Couture auch leisten. Erschwinglicher hingegen ist nach Diors Schnitten produzierte Massenware. Mit seinem durch glockenförmige wadenlange Röcke aus fließenden Stoffen und eine miedergeformte “Wespentaille" geprägten "New Look" trifft er den Nerv der Zeit und den Geschmack der Frauen, die das Trümmerfrauen-Aussehen leid sind. Zwar werden auch kritische Stimmen laut, die von Stoffverschwendung und einem "französischen Modediktat" sprechen, "das die um Gleichberechtigung kämpfende Frau zum hilflosen Geschöpf mit Stöckelschuhen degradiere", letztendlich bestimmt der "New Look" aber maßgeblich die Mode der 50er Jahr. "Die Zeit ist schnell der sachlichen Kameradschaft zwischen den Geschlechtern müde geworden", beschreibt Film und Frau 1949 diesen Trend, "Der Frau wird jede Tüchtigkeit im praktischen Leben zuerkannt, aber die Erschließung aller Berufe macht sie nicht glücklicher. Der Krieg als Ausnahme- und Übergangsstadium ist nun vorüber. Was vor ihm begann, die Selbstbesinnung der Frau auf ihre Weiblichkeit, wird jetzt fortgesetzt...dabei hilft "ein letzter Schrei" aus Paris."

Nichtsdestotrotz wird immer noch großer Wert auf Qualität, Haltbarkeit und vielfältige Einsatzmöglichkeit der Kleidung gelegt. Wer das nötige handwerkliche Geschick besitzt, schneidert seine Garderobe mit Hilfe von Schnittmusterbögen selbst. Auf die Beigabe letzterer verzichtete man bei Film und Frau ganz bewusst, um die Exklusivität des Blattes zu wahren und sich von der Masse der Handarbeitsmagazine abzuheben. Auch die Lebenshilfe-Rubrik "Herz in Bedrängnis - der Seelenarzt antwortet" wurde wohl aus gleichen Gründen recht bald ersatzlos gestrichen. 

"Film und Frau wandte sich ausdrücklich an Aufsteiger, an die staatstragende und Kulturschaffende Schicht, deren wirtschaftliche Basis Handel und Gewerbe, mittleres Unternehmertum und Handwerk und der rapide wachsende Dienstleistungssektor bildete", konkretisiert der Autor Klaus Honnef die seinerzeit anvisierte Zielgruppe.

Nimmt sich Film und Frau dann doch einmal der Handarbeiten an, wie in einem 1950 erschienenen Beitrag zum Thema Stricken, überfällt dessen Verfasser die interessierte Leserin nicht sofort mit Angaben zu Maschenzahl oder Nadelstärke, sondern bettet die Anleitung eines selbst gestrickten Pullovers für IHN in einen ansprechenden, geradezu ins erotische entschwebenden Begleittext ein: "Dem Stricken kann man verfallen. Eigentlich wollte man schon aufhören - aber da lockt es, noch zu sehen, wie sich ein neues Muster in die glatte Fläche fügt. ...beim Klappern der Stricknadeln kann man auch so schön träumen. Jede Reihe ist ein zärtlicher Gedanke. Jedes Muster ist eine kleine Liebkosung. Ob er es spüren wird, wie viel tausend Bewegungen schlanke Mädchenhände machen mussten, um ihm eine Überraschung zu bereiten?"

Aber auch ER findet Gefallen an der Strickerei und "sieht der jungen Strickerin gern zu. Er genießt die sanften Bewegungen ihrer Hände, und er hat Zeit, sich ihr leicht geneigtes, ernsthaftes Gesicht in Muße zu betrachten. Er streichelt mit den Blicken die leise zählenden Lippen..."

Die zeitgenössische und im Vergleich zu heute verschwindend wenig Platz einnehmende Werbung gibt Aufschluss darüber, mit welchen Problemen frau sich Anfang der "Fünfziger" zu beschäftigen hat. Großen Raum nimmt dabei der immerwährende Kampf gegen überflüssige Pfunde und gegen Falten ein. Zwar hat sich die textliche und graphische Gestaltung entsprechender Inserate im Laufe der Jahrzehnte vollkommen gewandelt, doch die Versprechen von damals (Keine Angst vor der Waage - Schlankheitskörnchen helfen) entpuppen sich als ähnlich leere Worthülsen wie die meisten der heutigen. Viele der Annoncen zielen ganz unverblümt darauf ab, allein stehende Frauen unter die Haube zu bringen. Die "unreine Haut verschwand und gestern hat sie geheiratet!" frohlockt der Werbetext für ein Hautbalsam. Etwas differenzierter sieht es der Hersteller eines Stärkungstonikums, der zur Beantwortung der Frage "Welche Frauen werden geheiratet?" auch die inneren Werte mit einbezieht. "Das A und O eines glücklichen Frauenlebens ist die Harmonie zwischen Körper und Seele. Wo sie leidet und die typischen Schwierigkeiten der Frau mitsamt ihrer Begleiterscheinungen den Lebensweg belasten, schwindet ihre Anziehungskraft und damit das Glück." Auch Anzeigen für modische Sehhilfen stechen ins Auge. "Brillen haben ihren Schrecken verloren", berichtet passend Film und Frau, und als welch großer Makel sie bis dahin galten, belegt die Aussage eines "schönheitsliebenden Professors" , der beim Examen "Mühe habe, wohlwollend sachlich zu bleiben, wenn die Kandidatin eine Brille trägt - so sehr fühlte er sich abgestoßen, so sehr empfand er die Brille als entstellend." Diese Zeiten sind nun glücklicherweise - zumindest auf dem Papier - vorbei und insbesondere Sonnenbrillen werden als ausgesprochen reizvoll propagiert: "Ein Frauenantlitz mit verborgenen Augen hat etwas sphinxhaft geheimnisvolles." Und weiter geht's in einer für Film und Frau charakteristischen Sprachmelodie: "Du weißt: die Augen hinter diesem flimmernden Kaleidoskop des Lebens schauen dich unbeirrt aufmerksam an, du aber wirst nie dahinter kommen, was die ewig wechselnden Bilder des Brillenglases verbergen." Bezeichnet werden die Brillen entsprechend ihrer Form mit Tiernamen, es gibt beispielsweise Schmetterlings- und Katzenbrillen. Letztgenanntes Design "besagt nichts über den Charakter, aber eine solche Brille gibt dem Gesicht etwas raubtierhaft Unberechenbares, das den Reiz" der als Beispiel abgebildeten "zarten Blondine nur erhöht".

Den neben der Mode größten Raum nimmt in Film und Frau jedoch das Thema "Film" ein, womit ausschließlich der Kinofilm gemeint ist, da das 1952 erstmals ein reguläres Programm ausstrahlende Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte und es immerhin fünf Jahre dauerte, bis man dort den Millionsten Zuschauer verkünden konnte. Die zum Teil mit über tausend Sitzplätzen ausgestatteten Kinos hingegen erfreuen sich schon viel früher einer ebenso großen wie konstanten Beliebtheit und erzielen im Jahr 1956 mit über 800 Millionen Besuchern einen absoluten Zuschauerrekord. Das Filmpublikum "umfasst alle sozialen und bildungsmäßigen Schichten, auch die bis zum vergangenen Krieg äußerst zurückhaltende Intelligenz, die vorwiegend das Theater- und Literaturpublikum bildet", analysiert die Süddeutsche Zeitung 1952 in ihrer Wochenendbeilage. Während "die Jugendlichen Kriminal- und Wildwest-Filme bevorzugen" und "die Männer mehr den seriösen Stoffen zugeneigt" sind, konsumiert "der mehr nach dem Gefühl gehende und im allgemeinen weniger anspruchsvolle weibliche Besucherkreis in seinem Bedürfnis nach Rührung und "Erhebung" hauptsächlich die sentimentalen und leider auch kitschigen Sujets". Und wirklich ging der Publikums-Trend in Richtung anspruchsloser Heimatfilm à la "Schwarzwaldmädel", nachdem die Menschen der Problembeladenen "Trümmerfilme", die sich, zumindest oberflächlich an einer Aufarbeitung der Kriegsjahre versuchten, überdrüssig geworden waren. Sie wollten, ganz Klischee gemäß, einfach nur den Alltag vergessen, sich ein paar schöne Stunden machen und möglichst lange von der erlebten heilen Traumwelt zehren.

Die Filmreportagen in Film und Frau beschäftigen sich jedoch nicht nur mit den Publikumserfolgen, sondern umfassen, dem eigenen gehobenen Anspruch gerecht werdend, eine wirklich großes Spektrum, das vom amerikanischen Kassenknüller über den französischen Autorenfilm bis hin zu deutschen Produktionen reicht. Letztere boten seinerzeit trotz des Bedürfnisses nach leichter Kost offensichtlich dennoch eine große Bandbreite an Themen und Qualitäten und beschränkten sich keineswegs nur auf tumbe "Klamotten", wie man heute aufgrund der bis zum Überdruss im Fernsehen gezeigten Wiederholungen solch einschlägiger Streifen vermuten könnte. Großformatige Fotos ergänzen Inhaltsangaben und Schilderungen der Dreharbeiten. Die jeweiligen Autoren betreiben selten unreflektierte "Hofberichterstattung", denn selbst wenn es sich um "die ganz Großen" handelt, findet sanfte Kritik durchaus ihren Platz: "Man kann für, über und gegen Marlene Dietrich sagen, was man will - objektiv bewundernswert ist es, dass sie immer neu und undurchschaubar reizvoll erscheint, obwohl sie seit zwei Jahrzehnten immer die gleiche Rolle spielt..." Natürlich lässt es sich der Verfasser nicht nehmen, im weiteren Verlauf des Textes ausführlich auf die acht verschiedenen, eigens von Dior entworfenen "raffinierten Toiletten" der Dietrich hinzuweisen, sinnigerweise trägt sie zum Vortrag des Chansons "Vie en rose" eine rosenverzierte Taftrobe.

Innerhalb von Film und Frau erfährt die Verknüpfung der Themen "Film" und "Mode" durch die 1952 beginnende Zusammenarbeit mit dem Fotographen F.C. Gundlach eine weitere Steigerung, da dieser statt den bisher üblichen, damals noch mit wenigen Ausnahmen anonymen Mannequins, nun auch bekannte Filmstars in den neuesten Kreationen der Modeschöpfer ablichtet. Gundlach hatte sich bereits einen Namen gemacht, indem er für die UFA Fotos schoss, die nicht den gängigen Normen entsprachen und dadurch, wie er selbst es beschreibt, "keine UFA-Bilder mehr waren...Es waren keine Glamour-Bilder mit Softlinse und Gegenlicht, sie waren realistischer, ungeschminkter, persönlicher. Dadurch ergaben sich eine ganze Menge Kontakte zu verschiedenen Filmproduktionen...Als ich dann intensiv für Film und Frau Modephotos aufnahm, führte es fast zwangsläufig zu dieser Synthese." (Quelle: Modewelten - F.C. Gundlach) Ob deutsche Leinwand-Stars wie Hildegard Knef, Romy Schneider, Sonja Ziemann und Curt Jürgens oder internationale Film-Größen wie Simone Signoret, Yves Montand und Jean-Paul Belmondo, alle bekommt er für Film und Frau - Modeaufnahmen vor seine Kamera. Immer häufiger vermeidet er die künstliche Studioatmosphäre und fotographiert die Stars im Reportagestil inmitten einer natürlichen Umgebung. Es gelingt ihm, sie derart in Szene zu setzten, dass sie einerseits nichts von ihrem Nimbus einbüssen, andererseits aber dennoch greifbar wirken. So erscheinen die von der Schauspielerin Ruth Leuwerik vor der malerischen Kulisse einer schneebedeckten Baumallee präsentierten Pelzmäntel als logischer Schutz vor der Kälte und nicht als unerreichbare Luxusobjekte. Die zu seinem Markenzeichen gewordene realistische Atmosphäre in Gundlachs Aufnahmen ermöglicht eine Identifikation der Betrachterin mit dem Star. In der Wirklichkeit bleibt das kostspielige Kleidungsstück zwar für die allermeisten Leserinnen weiterhin unerschwinglich, der Traum etwas entsprechendes selbst einmal zu besitzen, wird aber nicht zerstört und darf weitergeträumt werden. "F.C. Gundlachs zahlreiche Porträtaufnahmen von Stars in Film und Frau förderten den Eindruck von patenten Durchschnittsmenschen, die sie in Wahrheit auch waren" (Joe Hembus), was insbesondere auf Ruth Leuwerik und auch Maria Schell zutrifft, die ursprünglich als Sekretärinnen arbeiteten und als solche in einer Art wahr gewordenem Mädchentraum für die Schauspielerei "entdeckt" wurden. Aber nicht nur Prominente lichtet der 1954 zum ständigen Mitarbeiter aufgestiegene Gundlach ab, auch vielen anderen Reportagen über "normale" Zeitgenossen drückt er seinen unverwechselbaren fotographischen Stempel auf und die Titelblätter der Zeitschrift zieren sogar in der Mehrheit namenlos bleibende Fotomodelle. "Eine zarte Fata Morgana im Alltag - so taucht es plötzlich vor uns auf, dieses junge, in sich gesammelte Gesicht," lautet eine entsprechende Bildunterschrift, "seine Gepflegtheit, der schmale Rahmen der Frisur, der Akzent des Schmuckes - und wir freuen uns darüber, dass Schönheit nicht nur an glänzende Namen gebunden ist." Prominenten-Glanz verstrahlt nun Gundlach selbst, indem er immer häufiger zum Gegenstand der Berichterstattung wird und der Stern ihn in einem Artikel doppeldeutig als "Starfotographen" porträtiert.

Auch viele andere Könner dieses Fachs wie Regina "Regi" Relang, Charlotte Rohrbach, Will McBride und Hubs Flöter arbeiten für Film und Frau. Dass ihnen und anderen an dieser Stelle nicht der gebührende Raum gewidmet wird, kommt keiner Wertung gleich, sondern scheitert lediglich am mangelnden zur Verfügung stehenden Platz.

Eine Sonderstellung in der Riege deutscher Leinwand-Prominenz nahm Hildegard Knef ein. Einige kurze Momente der Nacktheit in dem Film "Die Sünderin" genügten, um einen Skandal auszulösen und auch die in der weiteren Spielhandlung vorkommenden Themen Sterbehilfe und Selbstmord sorgten für einen kollektiven Aufschrei des prüden Spießbürgertums der 50er Jahre. Nichtsdestotrotz wird die Knef zum Top-Star und entsprechend häufig berichtet Film und Frau über die Schauspielerin und laut Ella Fitzgerald "größte Sängerin ohne Stimme".    

                                         
1957   1959   1961

   Obwohl von Beginn an kein Magazin für "arme Leute", erfährt die Zeitschrift mit dem einsetzenden Wirtschaftswunder-Wohlstand um das Jahr 1957 herum noch einmal einen deutlich wahrnehmbaren "Luxus-Schub", denn die Menschen bekommen ein steigendes Gefühl für das "nicht notwendige". Abzulesen ist dies unter anderem auch an den Werbeanzeigen. Während Mercedes für den "Großen Mercedes 600" wirbt, der in "seiner Verbindung von großzügiger Repräsentation und technischer Ausstattung seinesgleichen sucht", hält man bei Opel die Leserschaft für kaufkräftig genug, ihr sein Spitzenmodell vorzustellen. "Opel Kapitän - ein Begriff aus der Welt des Besonderen, Erlesenen. Alles an ihm ist großzügig, das repräsentative Äußere, der kultivierte Fahrkomfort...Ein ungewöhnlicher Wagen, der hohe Ansprüche erfüllt." Auch einige Jahre später, als sich viele Menschen gerade an der Anschaffung ihres ersten Autos erfreuen, ist man bei Film und Frau schon einen Schritt voraus. In der Reportage "Zweitwagen für die Frau am Steuer" wird der "kleine Fiat 500" als "eine geräumige Einkaufstasche auf vier Rädern" vorgestellt, im Anschluss folgt ein "kleines Auto ABC für die Damen". Da das Thema scheinbar auf positive Resonanz stößt, folgt bald als neue Serie "Der erste Autotest speziell für die Damen". Die als Schauspielerin bekannt gewordene und nun für Film und Frau schreibende Carola Höhn belässt es allerdings nicht mehr bei Kleinwagen, sondern testet standesgemäß unter anderem ein exklusives Sportwagen-Cabrio, dessen Werbung verspricht, dass es sich bei diesem Wagen "in besonderem Maße um ein Fahrzeug für die Dame am Steuer handelt." Zur "Schonung des männlichen Autointelligenzkomplexes" leitet sie den Artikel jedoch vorsorglich mit einer Klarstellung ein: "Ich habe ihm weder bei gelüfteter Haube in den Rachen geschaut und verlangt, er solle auch einmal "Ah!" sagen oder in wie viel Sekunden er beschleunigt. Es war ein schlichter Autotest nach Methode TF ("Typisch Frau")", bei dem sich herausstellt, dass Frauen neben einer leichten Rangierbarkeit beim Einparken ebenso wie Männer großen Wert auf eine ansprechende Karosserie-Optik legen.

                                         

1963, Maria Schell

       

 Auch den Themen Architektur und Inneneinrichtung räumt Film und Frau mehr Platz ein. Sie treffen auf so großes Interesse, dass 1957 sogar ein erstes "Themensonderheft Architektur" erscheint, welches bis heute als eigenständiges Heft überlebt hat und unter dem Titel "Architektur & Wohnen" nach wie vor verlegt wird. Des weiteren gibt der Verlag regelmäßig spezielle Modehefte und diverse andere Sondernummern wie beispielsweise "Unsere Kinder - vom Baby bis zum Teenager" heraus.

                                   
1958   1958   1963

 In den 60ern mehren sich dann die Reportagen über "gekrönte Häupter" und auch auf dem Titelbild sind Elizabeth, Gracia Patricia und Co. immer häufiger zu finden. Die Prinzessin Hohenlohe erzählt ihre "Aschenbrödelgeschichte" und bei "Salut auf Schloss Schackenborg" handelt es sich nicht etwa um den Titel eines Sketches von Loriot, sondern um einen Fotobericht über den Wohnsitz eines alten Adelsgeschlechtes.

Schmökern im "Film und Frau" - Modeheft, Privatfoto (1964)

 

1963 wird das Layout der Zeitschrift modernisiert. Das gediegene goldene Film und Frau - Wappen, welches in den 50ern so vorzüglich zu den abgebildeten damenhaften Frauenportraits passte, hat mittlerweile Staub angesetzt und wirkt antiquiert im direkten Nebeneinander mit dem neuen, Jugendlichkeit idealisierenden Frauentyp der 60er. Folglich wird das Logo verkleinert und der goldene Balken ersatzlos gestrichen, bald darauf verschwinden auch die letzten Schnörkel. Die ruhmreiche Vergangenheit des Magazins entwickelt sich zum nicht mehr zeitgemäßen Ballast. Film und Frau wird umbenannt in Moderne Frau und fusioniert 1969 mit der vom Jahreszeiten Verlag von Gruner + Jahr übernommenen Petra, heißt dann für eine Übergangszeit kurz und knapp Petra die moderne Frau und löst sich schließlich gänzlich in der heute noch erscheinenden Frauenzeitschrift Petra auf.


                                                                     HOME

www.wirtschaftswundermuseum.de