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 Wohnen / Innenraumgestaltung / Tapeten 50er Jahre


 

"Die G'schicht vom Franz-Xaver"


 

"Dös is er...der Franz-Xaver, a rechtschaffens Mannsbild, a rechtschaffens. Lebt irgendwo in unserem Bayernland zwischen Bamberg und Garmisch-Partenkirchen. Mag a ghörige Brotzeit mit Weißwürscht. Dazu a Maß Bier. Hat gern sei königlich bayrische Ruah. Und um die is er neulich fast bracht worden."


 

"Am Montag Abend is's gwesen, da is er heimkommen von der Arbeit. Er hat sich auf seine Knödl gferut, hat seine Schuh am Schuhabstreifer abkratzt, is ins Haus reinkommen, hat im Hausgang sein Hut abglegt, hat die Stubentür aufgmacht - und is neigangen in d'Stubn."


 

"Ja kruzitürkn, wos is denn dös! Ausgschaut hat's da! Der Schrank is auf der andern Seitn gstanden, dös Bild haben's a umghängt ghabt, und's Ärgst: d'Wänd waren alle tapeziert! Die Wand am Fenster hellgrün mit Sterndln, und die andern Wänd gelb mit Streifen."


 

"Seid's denn ganz und gar narrisch wor'n! hat der Franz-Xaver gschrien, hat mit der Faust auf den Tisch ghau'n, daß die Blumenvasen nur so gscheppert habn, hat sein Hut aufgsetzt - und is ins Wirtshaus gangen; sei Weib und die Eva sind flennend zruckbliebn."


 

"Ah gut, daß i dich seh! - Im Wirtshaus hat er sein Spezi troffen, hat sich zu ihm gsetzt und ihm sein Leid klagt. "Die narrischen Weibsleut! Solchene Gschichten! Und sicher hat's d'Eva mei Alte angstift! Dös Lausdirndl! Die Wohnung tapezieren . dös hab i grad gern!""


 

"Du Hirsch, du damischer! hat der Spezi gsagt! "Lebst denn noch hinterm Mond? Deine Wände haben schon ausgschaut zum Fürchtn, die warn wie man's früher ghabt hat, und die Farb war a schon abbröckelt. Recht haben deine Weiber ghabt! Heutzutag lebt man nimmer zwischen die nackten Wänd, sondern zwischen freundlichen Tapeten!"" - "A Wochn is vergangen...Am Dienstag hat er d'Wänd no gar net angschaut, am Mittwoch hat er no d'Stirn grunzelt und am Donnerstag 'n Kopf gschüttelt, aber am Freitag hat er manchmal gnickt, am Samstag is er von einem Zimmer zum andern gangen und hat die Wänd angschaut, und am Montag hat er gsagt:"


 

"Kreizteifi! Jetzt wird alls tapeziert. D'Schlafkammer kriegt a lichtblaue Tapetn mit am netten Muster, die andre Stubn wird ganz neimodisch tapeziert, die Küch mit hellgelbe Streifen, und der Eva ihr Zimmer? Die kann sich's selber aussuchn! Und das hat sie getan: drei Wänder ganz schlicht, auf die vierte Wand aber ist eine prachtvolle Bildtapeten >Venedig< kommen. Ein., zwei Tag, und alles is fertig gwesn. Der Franz-Xaver is ganz stolz gwesn, wie er sei schöne neue Wohnung angschaut hat."


 

"Die Nachbarn sind kommen. - Einer nach dem andern is kommen, der davon gehört hat, und hat die tapezierte Wohnung bewundert. Und dann sind's nachdenklich heimgangen, haben ihr Wohnung angschaut und nach ein paar Tag Tapeten kauft. (Nur die alte Fanny is bei ihrer nackten Wand bliebn; aber die is ja eh a Z'widerwurzn!)"


 

"Und wie sieht's mit Ihre Wänd aus? So hat der Spezi gsagt: "Heutzutag lebt man nimmer zwischen die nackten Wänd, sondern zwischen freundlichen Tapeten!""


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